Atemlos unter Eis

 

   
   
2. - 3. Februar 2002 Plansee / Eindrücke eines faszinierenden Wochenendes:
 
Bericht und Fotos Unterwasserwelt: http://www.unterwasserwelt.de/html/apnoe_-_bis_das_blut_gefriert.html
             
   

   
             
       
             
       
             
           
         
         
    Samstag, 2. Februar 10 Uhr am Plansee. Die Sonne glänzt am strahlend blauen Himmel und spiegelt sich im 30cm dicken Eis des Plansees. Die Bedingungen könnten nicht besser sein. 
Das Einstiegsloch ist bereits gesägt und nun beginnt der Aufbau der Pyramide für den Tauchschlitten der uns in die Tiefe des Sees ziehen wird. Zahlreiche Fernsehteams tummeln sich rund um das Eisloch - jeder auf der Jagd die besten Bilder einzufangen.
Das professionelle Team von Benjamin Franz hat alles im Griff und die beiden Ärzte Dr. Urs Braumandl und Dr. Armin Kemmer bereiten uns für die Blutentnahme unter Wasser vor. Der Zugang zur Arterie wird gelegt (Autsch!!!!!!!!!)
Noch ein paar Interviews und dann ist es soweit. Die Sicherungstaucher und Unterwasserkameras nehmen ihre Position ein. Noch ein paar tiefe Atemzüge, dann entriegelt Benjamin den Tauchschlitten für eine gemeinsame Testfahrt auf 20m. Alles läuft nach Plan. Unter den Augen des eingespielten Sicherungsteams kommen wir zur Oberfläche zurück. Nun beginnen die Tauchgänge auf 30m. 
Dort wartet bereits Dr. Urs Braumandl um uns Blut abzuzapfen. Benjamin wird die erste Probe erfolgreich entnommen. 
Nächster Tauchgang. Nun bin ich an der Reihe. Doch das Ohr will nicht so recht. Auf 20m Tiefe muss ich den Tauchgang abbrechen und zur Oberfläche zurücktauchen. Kein Druckausgleich - so ein Mist! 
Benjamin wird auch die zweite Probe erfolgreich entnommen. 
Optimistisch will ich meinen nächsten Versuch starten. Doch diesmal ist mein Blut im Zugang zur Arterie eingefroren. Dr. Kemmel versucht den Durchgang frei zu bekommen, doch die Leitung ist dicht. Keine Blutentnahme mehr möglich - schade. Aber dennnoch eine letzte Schlittenfahrt für die Kameras. 
Ausklinken und der Schlitten zieht uns nach unten. Benjamin zieht die Bremse und wir verweilen einen Augenblick in der Tiefe. Ein Traum der Blick nach oben beim Auftauchen! Ganz langsam ziehen wir uns am Seil dem Einstiegsloch entgegen. Ich genieße jeden Meter und beobachte durch das Wasser die Menschenmenge die gespannt ins Eisloch schaut. 
Nach über 1 Stunde verlassen wir durchgefroren das Eisloch und sind gespannt auf die Auswertung der Proben. Das verblüffende Ergebnis: Der CO2 Gehalt steigt unter Apnoe nur unwesentlich an. 
Nun heißt es umziehen, eine heiße Suppe und der erste Tag dieses faszinierenden Wochenendes neigt sich dem Ende.

Sonntag, 3. Februar 10 Uhr am Plansee. Immer noch Sonne pur und Temperaturen wie im Frühling. Das Eis knackt verdächtig und die Risse werden größer- aber es hält.
Heute heißt es für Benjamin und mich Fundiving für Foto- und Filmaufnahmen. Ein zweites Eisloch wird gesägt. Begleitet von den Kameras tauchen wir zwischen den beiden Ausgängen hin und her und spielen mit den Luftblasen die sich unter der Eisdecke sammeln. Ein faszinierendes Lichtspiel und ich verspüre den Wunsch endlos weiter zu tauchen. Kurzes Luftholen und erneutes Abtauchen in eine andere Welt. Ich bin begeistert von dem Feeling das mich unter der Eisdecke umhüllt. Keine Gedanken ans Atmen - es ist einfach nur schön!!!
Wenn es doch bloß nicht so kalt wäre - ich könnte stundenlang weiter tauchen. Doch auch heute siegt nach 1,5 Stunden Eiswasser die Kälte und wir müssen raus. Doch mein Kopf ist noch lange nicht aufgetaucht und meine Gedanken kehren immer wieder zu diesem Erlebnis zurück.
Ein Wochenende an dem ich viel dazu gelernt habe und wunderschöne Eindrücke des Eistauchens mit nach Hause nehme.
   
     
   

28.07.2006